Pfarrkirche St. Matthäus

Der Neubau der St.-Matthäus-Kirche 1896 – 1899

Text Dr. Susanne Conzen

 

Am 29. Juni 1896 wurde in festlicher Weise der Baubeginn eines neuen Kirchengebäudes für die katholische Gemeinde in Altena begangen. Die aufwendig gestaltete Einladung zur „Feier der Grundsteinlegung für die neue St. Matthäuskirche zu Altena“ ziert eine Abbildung des zukünftigen Kirchenbaus wie er nach dessen Fertigstellung aussehen sollte. In der unteren rechten Ecke ist kaum lesbar der Name des bauausführenden Architekten zu lesen: Johannes Franziskus Klomp (1865-1946) aus Hannover.

Am 25. März 1896 erhielt Klomp den offiziellen Auftrag zur Ausführung und Bauleitung eines ersten Bauabschnittes dieses neuen Kirchenbaus.

 


Nachdem im Juni 1986 die Grundsteinlegung erfolgt war und die Baugenehmigung vorlag, entwickelte sich die finanzielle Situation in der Weise, dass zwar die ganze Kirche fertig gestellt werden konnte, der Turm allerdings nur bis zur Dachhöhe geplant wurde. Gemäß der von Klomp vorgeschlagenen Vorgehensweise war es nicht notwendig eine Notkirche zu errichten, sondern der neue Ostteil wurde mit einem Dach versehen und diente während des Abbruchs der alten Kirche als Kirchenraum. So konnte der erste Teil der neuen Kirche, bestehend aus dem Chor und drei Jochen, am 19. September 1897 eingeweiht werden.

 

Die „Wiedenbrücker Schule“ und die Ausstattung des neuen Kirchenbaus

 

Der Nachlass des Architekten Klomp befindet sich in der Plansammlung des Instituts für Baugeschichte der Technischen Universität Berlin. Allein das Projekt der St. Matthäus-Kirche in Altena umfasst 45 Blätter. Es handelt sich um Bauzeichnungen sämtlicher architektonischer Belange, Grundriss-, Quer- und Längsschnitte, Ansichten, Massenberechnungen, Detailzeichnungen zu Profilen, Turmspitze, Abschlussgiebel u.a.

 

Im Zusammenhang mit der Innengestaltung des Kirchenbaus sind ebenso einige zeichnerische Dokumente vorhanden: Ansichten und Schnitte von Hoch- und Seitenaltären, Ornamente und Kronleuchter. Kurz vor Vollendung und Einweihung der Kirche, befasste sich Klomp im Mai 1899 mit der Terraingestaltung und der Ausführung der Treppenanlage.

 

Aus diesem umfangreichen Material ist ersichtlich, dass es Klomp nicht allein um den architektonischen Entwurf und Bau eines Kirchengebäudes ging, sondern dass darüber hinaus die Gesamtgestaltung des Neubaus eine Rolle spielte. So beschäftigte er sich neben den rein architektonischen Maßnahmen auch mit gestalterischen Fragen bezüglich der Ausstattung der Kirche. In welchem Maße Entwürfe Klomps zu einzelnen Austattungsstücken in die weitere Planung Eingang gefunden haben bleibt vorerst ungeklärt.

Der heute die Kirche schmückende neugotische Flügelaltar erhebt sich über der steinernen säulenverzierten Altarmensa. Die Predella nimmt das Tabernakel auf, rechts und links von den Reliefs der vier Propheten (s.o.) begleitet. Der Schrein und die Flügel zeigen in geöffnetem Zustand Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu. Die farbig gefassten Schnitzarbeiten beschreiben die Passion von links nach rechts mit der Ölbergszene, der Geißelung, der Kreuzigung mit Maria und Johannes, der Dornenkrönung und der Kreuztragung mit Simon von Cyrene und Veronika. Die Tafeln der Seitenflügel sind im Flachrelief gearbeitet, der landschaftliche Hintergrund sämtlicher Szenen ist in farbiger Malerei gestaltet. In geschlossenem Zustand wird auf den Sinnzusammenhang der Eucharistie eingegangen. Die Malereien des Wiedenbrücker Künstlers Heinrich Repke (1877-1962) zeigen die Hochzeit zu Kana und das Wunder der Brotvermehrung.

 

 

Das abschließende Gesprenge des Hochaltars in zartgliedrigem Maßwerk mit Fialen birgt die Figur des Salvator Mundi, die Darstellung des segnenden Christus als Heilsbringer der Welt, begleitet von zwei Engelgestalten. Bei näherer Betrachtung wird dort auf dem Rund der Weltkugel eine Besonderheit sichtbar: die Silhouette der Burg Altena, ein liebevoller regionaler Bezug, der ebenso mit der Figur des Hl. Einhard als oberer figürlicher Abschluss des Marienaltars im nördlichen Seitenschiff gegeben ist.

 

Der neugotische Rahmen des Marienaltars wurde 1904 von der Werkstatt Schneider in Eslohe geschaffen, um das 1850 für die ältere Matthäuskirche geschaffene Madonnenbild von Carl Müller (1818-1893) als zentrales Andachtsbild aufzunehmen. Dieser Flügelaltar gibt in geschlossenem Zustand den Blick auf eine Verkündigungsszene frei. Mit dieser Darstellung wurde wiederum der Kunstmaler Heinrich Repke beauftragt, der am 12. Oktober 1912 für seine Bemühungen den Betrag von 300 M. erhielt. Damit fand das nazarenische Madonnenbild eine entsprechende, dem Neubau stilistisch angeglichene Präsentation im Ensemble des neugotischen Marienaltares.


In den Jahren nach der Vollendung der neuen St. Matthäus-Kirche widmete sich Pfarrer Joseph Cramer (1867–1907) der nun anstehenden Ausstattung des Gotteshauses. Soweit es die Geldmittel erlaubten, wurden nach und nach entsprechend der neugotischen Formensprache der Architektur mehrere Altäre, Statuen und Kirchenmobiliar angeschafft. Der neue Matthäusaltar wurde von dem Altarbauer August Bücker (1859-1933) aus Rheda 1905 für die Kirche gestaltet (Kosten 2400 Mark).

Als jüngste Maßnahme erfolgte in den Jahren 1996 bis 2001 eine aufwendige Außen- und Innensanierung des Kirchenbaus. Dach, Fenster und Natursteinfassade insbesondere Gesims- und Gewändeflächen aus Tuffstein mussten gereinigt und ausgetauscht bzw. ergänzt werden. Die Innensanierung wurde durch die Firma Miele und Rabe aus Hagen durchgeführt. Im Rahmen dieser Maßnahme wurde die alte Marienkapelle zu einem Beichtraum umgebaut und erhielt eine farbige Verglasung als Abgrenzung zum Kirchenraum, die durch die Firma Otto Peters, Meisterwerkstätte für Glasmalerie in Paderborn ausgeführt wurde.